Was geschah mit Baby Jane?

Allgemein

Henry Farrell | Staatstheater Stuttgart | 2013

Dramaturgie: Christian Holtzhauer
Musik: Jens Dohle, Falk Effenberger
Bühne: Volker Hintermeier
Kostüm: Andy Besuch
Fotos: © Sonja Rothweiler



»Dieses Endspiel zweier Abgeschaffter, die einander hassen und unauflösbar aufeinander angewiesen sind, ist ein Albtraum aus Lügen, Schuldzuweisungen, Machträuschen, Sentimentalität und Hassorgien, den der Film in Großaufnahmen zelebriert. Das Theater dagegen bietet Einblick in die gleichzeitig ablaufenden Unterdrückungsprozesse beider und die ebenso simple wie infame Machart dieses Gefängnisses. Während die eine kindisch geblieben und darüber alt geworden, eingesperrt bleibt in die Welt ihrer engen Vorstellungen, ist für die andere die Welt im Rollstuhl zu eng für ihre Ambitionen. So agiert sie im nach vorne offenen Bühnengehäuse immer am Rande des Abgrunds, was durchaus auch symbolisch zu verstehen ist.«

Cornelie Ueding, Deutschland Funk



»In Stuttgart schließt sich im letzten Intendanz-Jahr von Hasko Weber auch ein Kreis: Denn Corinna Harfouch und Catherine Stoyan hatten bereits in der ersten Weber-Saison 2005/06 mit „Herr Ritter von der traurigen Gestalt“ für einen Publikumsknüller gesorgt. Jetzt also spielen sie zwei abgemeldete Filmdiven, und Regisseur Christian Weise hat ihnen dazu eine verschmockte, detailverliebt voll gepfropfte, zweistöckige Villa ins Kammertheater bauen lassen – mit einem grandiosen Lüster im Treppenhaus (Bühne: Volker Hintermeier). Das Publikum sieht und weiß so immer alles, es sieht, wie Harfouchs Blanche oben geknebelt um Hilfe ruft und wie gleichzeitig Stoyans Jane unten mit dem Pianisten Edwin flirtet (Benjamin Grüter).

Weises Regie beschränkt sich auf Erzähltheater und beginnt als Klamotte. Wenn Jane dann ihre Schwester Blanche verprügelt und endgültig wegsperrt, verdichtet Weise das Ganze zum Psycho-Thriller über zwei Frauen im Kriegszustand. Aldrichs Film, der viel mit Naheinstellungen arbeitet, zeigt noch ganz andere Abgründe. Das Theater bietet dafür den Blick aufs schaurige Ganze. Wie auch immer: Weise ermöglicht starkes Schauspielertheater. Am Ende zieht Jane ihrer Schwester Blanche eine Decke über den Kopf, sagt „Schluss mit dem Gebrabbel“ und verbeugt sich triumphierend. In Kinderstar-Pose.«

Otto Paul Burkhardt, Südwest Presse


»Großartig, wie Corinna Harfouch mit wenigen Gesten und Worten klarmacht, wie sehr sie den früheren Rummel um ihre Person vermisst. In Turban und grünem Glitzermantel – ein letzter Hauch von Filmdiva. Psychisch gestört dagegen ihre Schwester Baby Jane. Weißes Rüschenkleid, blonde Löckchen mit passender Schleife. Sie säuft und trauert ihrer eigenen Karriere als Kinderstar nach. Catherine Stoyan spielt sie als schreiende, kieksende, gewalttätige und sehr durchtriebene Psychopathin. Beeindruckend.«

Karin Gramling, SWR 2